Wabi-Sabi-Chawan
Wabi-Sabi (侘寂) ist eine japanische Philosophie, eine Lebenshaltung. Neben vielen Parallelen zu ZEN bedeutet Wabi-Sabi auch die Ästhetik des Unperfekten, Unvollkommenen, dessen Schönheit sich vor allem in seiner Asymmetrie, rauen Schlichtheit und Bescheidenheit offenbart.
Eine gelungene Chawan (茶碗) verkörpert im besten Sinne Wabi-Sabi. Hier zeige ich meine Versuche, Chawan (aber auch Yuzamashis, Mizusashis und Hobin) herzustellen, die in ihrer derben Unvollkommenheit vollkommen und in ihrer Präsenz harmonisch sind. Am glücklichsten bin ich über das Ergebnis immer dann, wenn ein Stück von mir so aussieht als sei es so "gewachsen", stünde es in der Natur.
..................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................Ich arbeite ohne elektrische Drehscheibe, da die Schnelligkeit, mit der eine Teeschale darauf entsteht, meines Erachtens nicht zum Wesen einer Chawan passt.
Auch gestalte ich nicht mit der sog. Wulsttechnik (Himo-Zukuri), da ich den Gedanken nicht mag, eine Chawan aus mehreren Teilen Ton herzustellen.
Ich forme nahezu alle Stücke in der Tebineri-Technik. In meinem Verständnis für eine Chawan passt es am besten zu ihr, in aller Ruhe und aus einem einzigen Stück Ton geformt zu werden.
Manchmal wende ich auch die Shojiro-Technik an, d.h. ich schneide die Chawan mit einem Schlingmesser im lederharten Zustand aus einer nur grob vorgeformten Schale heraus.
Die Unregelmäßigkeit einer Chawan soll in meinen Augen ausschließlich daraus enstehen, dass man den richtigen Zeitpunkt erkennt, in dem man aufhört, an ihr zu arbeiten.
Alle meine Schalen werden im Gasofen in kurzer Zeit (Raku - 楽焼) bei 1000 °C gebrannt, glühend aus dem Ofen geholt und in Holzspänen reduziert.
Das Ergebnis ist unvorhersehbar und immer eine Überraschung.
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Sunday, March 11, 2012
Heute war das Wetter perfekt für einen Rakubrand . Diesmal mit Temperaturmessgerät für den Ofen, was die Sache ziemlich entspannt hat :-) Bei 900°C nochmal ein ganz wenig Holz nachlegen, ein paar Minuten auf 1000 °C halten und dann raus damit in die Sägespäne - der fast schönste Moment. Hier drei Chawan und ein Abkühlgefäß. Demnächst kommen noch 4 weitere Schalen. -- Heute ist der "3/11"...
Tuesday, February 21, 2012
So lange so kalt gewesen. Hoffe, am Wochenende bleibt es tatsächlich milder und ich kann endlich meine neuen Schalen im Garten brennen. Habe eine meiner alten japanischen Chawan wiederentdeckt - genau richtig für die Jahreszeit zwischen Schnee und Kälte und erster Frühlingsluft und kleinsten Knospen....
Sunday, January 8, 2012
Habe heute einen weiteren Rakubrand durchgeführt. Diesmal hatte ich wohl nicht das richtige Gefühl für die Temperatur. Die Glasuren sind zum Teil nicht richtig ausgeschmolzen. Sie sehen von der einen Seite ganz gut aus - aber von der anderen....hat diesmal alles nicht so funktioniert. Dabei hatte ich mir doch extra ein Temperaturmessgerät gekauft - was ich aber vergessen hatte, mitzunehmen... Also, auf ein Neues. Zwei von denen werde ich einfach nochmals brennen, mal sehen, ob ich ich da noch was retten kann. Und: HAPPY NEW YEAR!! :-)
Saturday, December 24, 2011
Habe heute die zwei Chawan von meinem gestrigen Rakubrand versucht etwas wertschätzender zu fotografieren. Ist mir nicht wirklich gelungen - das Licht schaut hier nur ganz trübe hinein - musste die Belichtung ganz schön hochziehen, die Fotos sind z.T. sehr krisselig. Ich hoffe, man sieht trotzdem, wie schön die Pferdeschweif-Chawan jetzt poliert ist. Und: Wünsche schöne Weihnachtstage!! :-)
Friday, December 23, 2011
Sunday, December 4, 2011
“"If you can make a good tea bowl, you can make anything"
is almost an adage in the Japanese ceramic world and there is more than a grain of truth in it. To bring together the lip, the inner surface, the outer profile, and the concluding foot with the right mixture of clay, glaze and fire to produce the elusive balance of utility and grace is not a feat to be taken lightly. To bring them together with a touch of spirituality is magic. (...)
The successful bowl will have an inexplicable serenity to its stance as if it knows what it is about.”
Barry Lancet, Executive Editor (Art), Kodansha International from his essay Shiro Tsujimura
Text aus: marclancet.com
Saturday, December 3, 2011
Monday, November 21, 2011
Habe gestern 5 meiner letzten Chawan in einem Holzofen brennen können. Leider war ich bei zweien davon nicht mit der Glasur an sich und dem Kraquelee-Effekt zufrieden. Meine Erfahrung ist inzwischen, dass es wirklich sinnvoll ist, das glühende Teil einige Momente an der Luft zu lassen, bevor man es auf die Sägespäne legt....die Risse sind sonst echt langweilig.
Saturday, November 12, 2011
Es hat funktioniert! Mein erster kleiner Raku-Brand in meinem Garten - mit einem geschenkten kleinen Muffelofen für Emaille!! - hat zwei sehr schöne Chawan hervor gebracht. Vor einigen Monaten hatte ich einen Raku-Kurs besucht und empfand das als ein ästhetisches Desaster - all der Qualm und Gestank. Also habe ich recherchiert und siehe da - es geht auch ohne: nämlich mit Sand! Ich freue mich echt dolle, dass meine kleine improvisierte Raku-Brenn-Testung so gut funktioniert hat. Habe letztens übrigens gelernt, dass dieses Reduzieren in Holzspänen etc. keine Erfindung der Japaner ist - sondern der Amerikaner!! Na sowas.
Monday, October 31, 2011
Habe kürzlich einen Workshop von Thomas Riedinger besucht. Ich hab ja echt ne Menge dort gelernt! Endlich kommen meine Chawan ungefähr dem nahe, wie ich sie haben möchte....Nun warten dort drei neue Chawan darauf, in einem Holzofen gebrannt zu werden. Die fertigen Exemplare werde ich dann hoffentlich im November zeigen können. Bis dahin versuche ich, mein neues Wissen in meiner "Küchenwerkstatt" anzuwenden. Sobald diese vier Rohlinge dann im Schrühbrand waren, werde ich einen Rakubrand bei mir im Garten versuchen - bin wahnsinnig gespannt darauf!
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